Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeit ist eine der größten Gefahren für den arbeitenden Menschen. Man mag sich diese Vorstellung erst gar nicht machen: Der Verlust der Fähigkeit zu arbeiten, bedingt entweder durch eine körperliche Krankheit oder auch durch einen seelischen beziehungsweise geistigen Kräfteverlust. Wen dieses Schicksal ereilt, der muss höchstwahrscheinlich mit großen Schwierigkeiten rechnen. Dies gilt umso mehr, wenn der Betroffene verheiratet ist und vielleicht sogar Kinder hat, woraus sich durchaus ein finanzielles Fiasko entwickeln kann.

Es muss dabei gar keine vollständige Berufsunfähigkeit sein, auch ein Verlust eines Teils der Arbeitskraft reicht schon aus, um die kompletten persönlichen Verhältnisse und das finanzielle Gefüge auf den Kopf zu stellen.

Um solche Risiken abzudecken, gibt es die so genannte Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie zählt zur Gruppe der Invaliditätsversicherungen und kann sowohl als eigenständige Versicherungsform, aber auch als Zusatzversicherung zu einer Renten- oder Lebensversicherung abgeschlossen werden. Im Falle einer Berufsunfähigkeit springt die Versicherung ein und fängt die finanziellen Folgen aus diesem Zustand für den Versicherten ab.

Es gibt mittlerweile sowohl allgemein gehaltene Berufsunfähigkeitsversicherungen, die sich grundsätzlich für jeden Arbeitnehmer und auch für Freiberufler und Selbstständige gleichermaßen eignen, als auch spezielle Formen der Berufsunfähigkeitsversicherung, die jeweils für eine bestimmte Berufsgruppe beziehungsweise einen Risikofall zugeschnitten sind. In diesem Dschungel der unzähligen Versicherungsmodelle und Anbieter gelingt es kaum noch einem Interessenten, den Überblick zu behalten und das für seine Bedürfnisse und Voraussetzungen am besten passende Versicherungsmodell zu finden.

Aus diesem Grund haben wir Ihnen auf diesen Seiten die wichtigsten Informationen rund um die Berufsunfähigkeitsversicherung zusammengestellt. Damit erlangen auch Sie das nötige Hintergrundwissen und sind anschließend dazu in der Lage, die am besten passende Versicherung für Ihre Bedürfnisse auszuwählen.

Für wen kommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung in Frage?

Grundsätzlich kommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung für jeden Arbeitnehmer und ganz besonders auch für Freiberufler und Selbstständige in Frage. Sie ist also für alle Person unabdingbar, die ihren Lebensunterhalt mittels selbstständiger oder nichtselbstständiger Arbeit verdienen müssen. Damit dürfte die Berufsunfähigkeitsversicherung für nahezu jeden Bundesbürger in einem Alter zwischen 18 und 65 Jahren obligatorisch sein. Doch nicht nur bezahlte Tätigkeiten lassen sich im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung versichern, sondern auch unentgeltliche Arbeiten beziehungsweise karitative Tätigkeiten. Grund dafür ist, dass auch diese in der Regel nicht ohne einen entsprechend hohen finanziellen Aufwand ersetzbar sind.

Das beste Beispiel für eine solche, unentgeltliche Tätigkeit ist die Arbeit einer Hausfrau. In einem Haushalt – womöglich noch mit Kindern – ist ihre Arbeit zwar unentgeltlich, jedoch nicht ohne einen entsprechenden finanziellen Aufwand zu ersetzen. Konkret bedeutet das: Wenn die Arbeitsleistung der Hausfrau ausfällt, muss eine entsprechende Haushaltshilfe eingestellt werden, die dann sehr wohl einen Arbeitslohn erfordert.

Wie bereits angedeutet, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung insbesondere für Selbstständige und Freiberufler in Deutschland eine der wichtigsten Versicherungsformen überhaupt. Während bei älteren Arbeitnehmern eine Berufsunfähigkeit in einigen Fällen noch durch die staatliche Erwerbsunfähigkeitsrente abgesichert ist (wir kommen gleich noch darauf zu sprechen), kann sich bei Selbstständigen und Freiberuflern der Ausfall der eigenen Arbeitsleistung innerhalb kürzester Zeit als existenzbedrohend erweisen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass diese Berufsgruppen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Es existieren heute übrigens zahlreiche Spezialformen der BU-Versicherung, die genau auf die Bedürfnisse und Voraussetzungen von Freiberuflern und Selbstständigen zugeschnitten sind. Nähere Informationen dazu wird Ihnen jeder unabhängige Versicherungsfachmann geben können. Auch im Internet finden sich hierzu zahlreiche Informationsmöglichkeiten.

Von Beruf zu Beruf

Weiterhin unterscheidet sich die Wichtigkeit, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, von Berufsgruppe zu Berufsgruppe mitunter sehr deutlich. Wer einer körperlich und/oder seelisch beziehungsweise geistig sehr anstrengend Tätigkeiten nachgeht, läuft viel eher Gefahr, im Laufe seines Arbeitslebens einmal berufsunfähig zu werden als der, welcher eine einfache Bürotätigkeit ohne besondere körperliche oder geistige Anstrengungen ausführt. Berufsgruppen, für die der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung besonders wichtig ist, sind beispielsweise Berufssportler, Handwerker, Bauarbeiter, Möbelpacker und so weiter. Aber auch Lehrer sind z. B. eine Berufsgruppe, die besonders häufig im Laufe ihres Berufslebens berufsunfähig wird. Hier ist es insbesondere der psychische Stress, welcher für diese Auswirkungen sorgt.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, zur Absicherung gegen eine eventuelle Berufsunfähigkeit die staatliche Rentenversicherung beziehungsweise deren Erwerbsunfähigkeitsrente zu nutzen. Wichtige dabei zu wissen ist aber, dass diese Möglichkeit nur Personen offen steht, die vor dem 1. Januar 1961 geboren wurden. Diesen Berufstätigen steht im Rahmen ihrer staatlichen Rentenversicherung die so genannte Invalidenrente zur Verfügung. Sie wird heute allerdings meist als Erwerbsunfähigkeitsrente bezeichnet. Leistungsmäßig unterscheidet sich diese Versicherungsform zwar leicht von der privat abgeschlossen Berufsunfähigkeitsversicherung, sie bietet aber dennoch eine recht gute Vorsorge, so dass viele aus dieser Personengruppe auf den Abschluss einer weiteren, privaten Berufsunfähigkeitsversicherung verzichten.

Bemessung der Beitragshöhen

Wie bereits im vorigen Artikel angesprochen, besteht grundsätzlich für jede Berufsgruppe in Deutschland ein anderes Risiko, im Rahmen der Lebensarbeitszeit einmal berufsunfähig zu werden. Dieser berufsgruppenspezifische Risikofaktor wirkt sich selbstverständlich auch auf die Beitragshöhe für eine Berufsunfähigkeitsversicherung aus. Dafür besitzen die Versicherer spezielle Risikotabellen, welche nahezu alle Berufe, die hierzulande ausgeübt werden, beinhalten und jedem dieser Berufe einen individuellen Risikowert zumessen. Anhand dieses Wertes und eventuell einiger anderer Einflussfaktoren kann schließlich die Höhe des Beitrags festgelegt werden.

Worum handelt es sich bei diesen anderen Einflussfaktoren? Neben dem individuellen Risikofaktor, welchen die Versicherung der Berufsgruppe des zu Versichernden zuordnet, spielt auch sein Alter bei Eintritt in die Versicherung eine wichtige Rolle. Hier gilt: Je älter der Arbeitnehmer ist, desto größer ist in der Regel das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Allerdings muss man dabei bedenken, dass dieses Risiko wieder abnimmt, wenn der Versicherte in absehbarer Zeit vor dem Eintritt in den Altersruhestand steht. Wer also beispielsweise in einem Alter von 58 Jahren noch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, wird für die Versicherung höchstwahrscheinlich ein kleineres Risiko darstellen (da er nur noch rund sechs bis sieben Jahre zu arbeiten hat) als ein Arbeitnehmer, der im Alter von 45 Jahren diese Versicherung abschließt.

Weiterhin spielt selbstverständlich zum Bemessen des Risikos für den Versicherer auch der Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers eine wichtige Rolle. Weist dieser bereits Vorerkrankungen oder chronische Leiden auf, ist das Risiko einer Berufsunfähigkeit in der Regel wesentlich höher, wodurch auch die Beiträge für diesen Versicherten ein ganzes Stück höher liegen werden. Um solche Vorerkrankung festzustellen, fordern die meisten Versicherer vor der Bewilligung eines Antrags zumindest eine medizinische Selbstauskunft, einige verlangen sogar die Voruntersuchung durch einen Arzt.

Als letzter Faktor, der mit über die Beitragshöhe entscheidet, kommt schließlich noch der gewünschte Leistungsumfang der Berufsunfähigkeitsversicherung hinzu. Zwar bieten einige Versicherer hierbei einen standardisierten Leistungskatalog an, andere Gesellschaften bieten den Versicherten jedoch die Möglichkeit, optional höhere beziehungsweise umfangreichere Leistungen gegen Aufpreis hinzu zu buchen.

Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Grundgedanke bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ist, dass der Versicherte im Falle einer dauerhaften Berufsunfähigkeit eine so genannte Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt bekommt und davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Für die Auszahlung von Leistungen ist es dabei bei den meisten Versicherungsgesellschaften unerheblich, ob der Versicherte eine vollständige oder nur eine teilweise Berufsunfähigkeit erlitten hat. Bei teilweiser Berufsunfähigkeit werden die Versicherungsleistungen dann einfach anteilig ausgezahlt.

Doch wann springt eine Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt ein? Grundlage für die Antwort auf diese Frage ist der so genannte Prognosezeitraum. Er stellt die Zeit dar, die der Versicherte voraussichtlich seine zuvor ausgeübte Tätigkeit nicht mehr weiter ausführen kann, beziehungsweise nur noch teilweise ausführen kann. In den Versicherungsbedingungen fast aller Gesellschaften ist dabei festgelegt, dass dieser Prognosezeitraum mindestens sechs Monate betragen muss, damit die Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung ausgezahlt werden. Konkret bedeutet das für den Versicherten: Ein Arzt muss ihm bescheinigen, dass er für mindestens sechs Monate nicht mehr arbeiten kann, damit die Berufsunfähigkeitsversicherung ihre Leistungen ausschüttet.

Stolperfallen:

Doch Vorsicht: Wer einen Versicherungsvertrag mit einer so genannten „abstrakten Verweisung“ abgeschlossen hat, der wird auch im Fall einer Berufsunfähigkeit, die voraussichtlich länger als sechs Monate dauern wird, nicht sofort die Leistung aus der Versicherung beziehen können. Der Grund: Die abstrakte Verweisung fordert, dass der Versicherte sich zunächst selbst um einen Arbeitsplatz in einem anderen Beruf bemüht, den er trotz seinen Einschränkungen noch ausführen kann. Dabei wird dem Versicherten auferlegt, auch finanzielle Einbußen bis zu einem bestimmten Teil hinzunehmen. Verträge mit einer abstrakten Verweisung sind also für den Versicherten wesentlich schlechter als Verträge, diesen Bestandteil nicht enthalten.

Vorsicht geboten ist auch bei der Dauer des Prognosezeitraums. Insbesondere bei relativ alten Versicherungsverträgen ist dieser Prognosezeitraum oft noch nicht auf sechs Monate festgelegt, sondern es ist lediglich die Rede von einem „voraussichtlich dauerhaften Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit“, welcher nicht in einem konkreten Zahlenwert festgelegt wurde. Das Problem für den Versicherten: In diesem Fall kann eine Versicherungsgesellschaft selbst entscheiden, wann dieser Zeitraum lange genug ist, um von einer dauerhaften Berufsunfähigkeit ausgehen zu können. Diese Umstände waren in der Vergangenheit oft Bestandteil von gerichtlichen Streitigkeiten, weswegen letztendlich flächendeckend der heute gültige Prognosezeitraum von sechs Monaten eingeführt wurde. Bei alten Verträgen kann es dagegen sein, dass dieser Zeitraum gerichtlich auf bis zu drei Jahre festgelegt wird. Für den Versicherten bedeutet das: Ein Arzt muss ihm eine Berufsunfähigkeit von mindestens drei Jahren bescheinigen, damit er die Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung beziehen kann. Ein schlechter Deal.

Feststellen der Berufsunfähigkeit

Aus den bisher im Rahmen dieses Ratgebers zur Verfügung gestellten Informationen ergibt sich die Frage, wie eine Berufsunfähigkeit überhaupt festgestellt werden kann. Dazu muss grundsätzlich angemerkt werden, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Versicherungsform ist, die ihre Leistungen ausschließlich auf Antrag auszahlt. Für den Versicherten bedeutet das: Im Fall einer vermuteten Berufsunfähigkeit muss dieser zunächst einen Antrag bei seinem Versicherer stellen, der anschließend auf seine Richtigkeit geprüft wird. Erst wenn dieser Antrag bewilligt ist, kann die Versicherungsleistung ausgezahlt werden.

Dabei muss dem Versicherten klar sein, dass es sich bei der Berufsunfähigkeitsversicherung um eine Versicherungsform handelt, die ihre Leistungen in der Regel nur nach ganz genauer Prüfung auszahlt. Grund dafür ist, dass es hier mitunter um sehr hohe Beträge geht, wenn beispielsweise die Versicherung im Rahmen einer Berufsunfähigkeit die Leistung bis zum Eintritt in den Altersruhestand Monat für Monat bezahlen muss.

Größte Schwierigkeit beim Feststellen einer Berufsunfähigkeit ist, dass diese – außer bei Unfällen – oftmals schleichend verläuft und daher nicht von einem Tag auf den anderen diagnostiziert werden kann. Grundlegende Anforderung, um überhaupt eine Berufsunfähigkeit diagnostizieren zu können, ist die Untersuchung bei einem Arzt beziehungsweise Facharzt. Wenn diese in seiner Diagnose angibt, dass der Patient für einen Zeitraum von voraussichtlich mehr als sechs Monaten nicht in seinem zuvor ausgeübten Beruf weiter tätig sein kann, sollte der Antrag für die Auszahlung der Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung eingereicht werden.

Dabei ist es wichtig, direkt bei Stellen des Antrags alle Unterlagen, die man von medizinischer Seite erhalten hat, mit bei der Versicherung einzureichen. Dieses Vorgehen vermeidet unnötig lange Wartezeiten beziehungsweise verkürzt die Zeit bis zur (hoffentlich erfolgreichen) Prüfung des Antrags. Allerdings kann es vorkommen, dass einige Versicherer das zuvor erstellte Gutachten eines Arztes, den der Versicherte selbst ausgewählt hat, nicht anerkennen und eine erneute Untersuchung bei einem durch die Versicherung vorgegebenen Arzt fordern. Grundsätzlich hat der Versicherte dabei die Möglichkeit, sich gegen eine solch neue Untersuchung zu wehren, allerdings besteht dabei wenig Aussicht auf Erfolg. Letztendlich wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als die erneute Untersuchung in Kauf zu nehmen.

Leider gibt es immer wieder Probleme bei der Erstellung von medizinischen Gutachten, die anschließend von der Berufsunfähigkeitsversicherung im Rahmen eines Antrags zur Auszahlung von Versicherungsleistungen akzeptiert werden sollen. Experten empfehlen daher, direkt beim Stellen des Antrags den Arzt gegenüber der Versicherung von seiner gesetzlich geforderten Schweigepflicht zu entbinden. Damit ermöglicht es der Versicherte seinem Arzt, direkt mit der Versicherung zu kommunizieren und damit den Beantragungsprozess oftmals stark zu beschleunigen. Aus den gleichen Gründen kann es hilfreich sein, auch die Krankenkasse von der geforderten Schweigepflicht zu entbinden.

Doch das ist noch nicht alles. Die meisten Versicherer fordern beim Stellen eines Antrags zur Auszahlung von Leistungen im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung, dass der Versicherte eine so genannte Berufskunde mit seinen Unterlagen eingereicht. Dabei handelt es sich um eine detaillierte Aufstellung seiner bisherigen beruflichen Tätigkeiten, in der außerdem alle Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen aufgeführt werden müssen. Zusätzlich zu diesen Angaben muss der Versicherte auch die Höhe seines aktuellen Einkommens sowie eventueller Bezüge in der Vergangenheit mit angeben. Dieses Dokument sollte am besten in Form einer chronologischen Reihenfolge strukturiert werden, so dass die Versicherung auf den ersten Blick sehen kann, zu welchem Zeitpunkt der Versicherte welche Tätigkeiten ausgeführt hat.

Wer sich nicht zutraut, diese Berufskunde selbst vollständig zu erstellen, kann Hilfe bei seiner zuständigen Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer oder einer Gewerkschaft bekommen. Hier gibt es in der Regel immer einen Experten, der für genau diese Fälle zuständig ist und wertvolle Dienste beim gesamten Beantragungsprozess der Berufsunfähigkeitsversicherungen leisten kann.

Versicherungs- und Leistungszeitraum einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den Versicherungsformen, welche ihre Leistungen am längsten ausbezahlen. Sie ist grundsätzlich so gestaltet, dass der Versicherte die Bezüge aus der Versicherung vom Eintritt der Berufsunfähigkeit bis zum Zeitpunkt, an dem er in den Altersruhestand wechselt, erhält. Ältere Versicherungsverträge legen dabei in der Regel ein fixes Alter fest, bis zu dem der Versicherte Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung beziehen kann. In neueren Versicherungsverträgen dagegen ist oftmals nur noch die Angabe enthalten, dass der Versicherte die Leistungen bis zum Renteneintritt beziehen kann.

Aus diesem Grund kann es bei alten Versicherungsverträgen Probleme geben. Oftmals ist hierbei lediglich eine Leistungszahlung bis zu einem Alter von beispielsweise 63 Jahren gegeben, wären zwischenzeitlich die Renteneintrittsgrenzen um mehrere Jahre nach oben verschoben wurden. Für den Versicherten bedeutet das: Im Zweifelsfall klafft eine Lücke von mehreren Jahren, in denen er noch keine Rente beziehen, aber auch keine Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten kann. Für diesen Fall sollte rechtzeitig anderweitig vorgesorgt werden.

Ganz wichtig ist es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, zwischen der Leistungsdauer und der Versicherungsdauer zu unterscheiden. Die Leistungsdauer stellt dabei genau das dar, was im vorigen Abschnitt beschrieben wurde – also die Zeit, in der der Versicherte Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung ausgezahlt bekommt.

Die Versicherungsdauer dagegen kann einen komplett anderen Zeitraum umfassen. Es handelt sich dabei um den Zeitraum, in dem der Versicherte überhaupt Anspruch auf die Auszahlung von Leistungen aus dieser Versicherungsform hat – kurz gesagt: Die Zeit, in der man im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung versichert ist. Viele Versicherer machen bei diesen beiden Zeiträumen durchaus größere Unterschiede. So ist es beispielsweise möglich, dass die Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich bis zum 65. Lebensjahr ausgezahlt werden, der Versicherungszeitraum aber lediglich bis zum 58. Lebensjahr andauert. Das bedeutet, der Versicherte erhält lediglich dann Leistungen aus der Versicherung, wenn er vor Vollendung des 58. Lebensjahres berufsunfähig wird. Diese Leistungen werden dann maximal bis zum 65. Lebensjahr ausgezahlt. Im ungünstigen Fall würde der Versicherte dabei seine Leistungen also nur für einen Zeitraum von sieben Jahren ausgezahlt bekommen.

Aus diesen Informationen ergibt sich die Tatsache, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Idealfall einen Versicherungszeitraum aufweisen sollte, der mit dem Leistungszeitraum genau übereinstimmt. Nur in diesem Fall genießen Sie die Sicherheit, dass Sie bis zum Eintritt ins Rentenalter vollständig gegen eine Berufsunfähigkeit abgesichert sind und die Leistungen im Zweifelsfall sogar dann erhalten, wenn Sie nur ein Jahr vor Eintritt in die Rente plötzlich noch berufsunfähig werden.

Die Dienstunfähigkeitsversicherung

Die BU-Versicherung in Deutschland richtet sich grundsätzlich an Arbeitnehmer, kann aber genauso von Freiberuflern und Selbstständigen abgeschlossen werden. Doch wie verhält es sich bei Beamten? Für sie ist die Berufsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich nicht vorgesehen, dafür existiert für diese Berufsgruppe eine andere Versicherungsform, die in ihrem Leistungskatalog fast ebenbürtig mit der BU-Versicherung ist. Die Rede ist von der Dienstunfähigkeitsversicherung. Der andere Name ergibt sich daraus, dass Beamte in Deutschland im Dienste des Staates stehen und somit rein rechtlich gesehen keinen Beruf ausüben. Demnach kann ein Beamter auch nicht berufsunfähig, sondern lediglich dienstunfähig werden.

Doch genug der Haarspalterei. Vergleicht man beide Versicherungsformen, wird man feststellen, dass diese sich kaum voneinander unterscheiden. Es gibt lediglich ein paar kleine Unterschiede. Diese bestehen z. B. darin, dass bei einer Dienstunfähigkeitsversicherung kein ärztliches Gutachten durch einen vom Versicherten ausgewählten oder von der Versicherung gestellten Arzt angefertigt wird, sondern für diese Aufgabe in der Regel der Amtsarzt der zuständigen Behörde eingesetzt wird. Die Versicherung ist dabei verpflichtet, eine durch diesen Arzt festgestellte Dienstunfähigkeit anzuerkennen, ohne eine nochmalige Untersuchung durch einen durch die Versicherung gestellten Arzt zu fordern.

Ein weiterer Unterschied ist, dass bei der Dienstunfähigkeitsversicherung nicht jeder Versicherte grundsätzlich die gleichen Leistungen erhält. Wie hoch das so genannte Ruhegehalt – so werden die Leistungen aus der Dienstunfähigkeitsversicherung bezeichnet -ausfällt, hängt in erster Linie von der Anzahl der Dienstjahre ab, die der Beamte bereits  geleistet hat. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Beamte erst dann Anspruch auf die Leistungen der Dienstunfähigkeitsversicherung hat, wenn er mindestens fünf Jahre im Dienst war. Wer sich schon vorher gegen eine Dienstunfähigkeit versichern möchte, sollte das im Rahmen einer zusätzlichen, privaten Dienstunfähigkeitsversicherung tun. Auch diese wird inzwischen von vielen Versicherungsgesellschaften angeboten.

Da sich – wie bereits erwähnt – die Leistungen aus der Dienstunfähigkeitsversicherung grundsätzlich an der Anzahl der abgeleisteten Dienstjahre orientieren, könnte sich daraus durchaus ein Problem für Beamte in höheren Laufbahnen bzw. Akademiker ergeben. Sie treten in der Regel erst in einem fortgeschrittenen Alter in die Laufbahn als Beamter ein und können somit weit weniger Dienstjahre ableisten, als ein Beamter im niederen Dienst, der bereits in sehr jungem Alter verbeamtet wird. Die Anzahl der abgeleisteten Dienstjahre reichen bei Beamten in einer höheren Laufbahn also oft nicht komplett aus, um im Ernstfall ein Ruhegehalt zu erhalten, mit dem der komplette Lebensunterhalt abgedeckt werden kann.

Diesen Beamten bleibt nur übrig, zusätzlich zur Dienstunfähigkeitsversicherung eine private Vorsorge gegen die Dienstunfähigkeit zu treffen. Dafür bieten viele Versicherer inzwischen spezielle Policen für Beamte in höheren Laufbahnen an.

So finden Sie den richtigen Versicherungsanbieter

Hinsichtlich der Auswahl des richtigen Versicherers für Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es einige Tipps und Tricks, die in jedem Fall – unabhängig von Beruf, Alter, Gesundheitszustand etc. – beachtet werden sollten. Diese sind:

  • Achten Sie darauf, keinen Versicherungsvertrag abzuschließen, der eine abstrakte Verweisung enthält. Damit entfällt für Sie die Gefahr, sich im Ernstfall zunächst selbstständig um einen anderen, womöglich schlechter bezahlten Arbeitsplatz bemühen zu müssen.
  • Achten Sie weiterhin darauf, dass die im Versicherungsvertrag festgelegte Prognosezeit auf keinen Fall mehr als sechs Monate beträgt. Bei längeren Prognosezeiträumen könnte es mitunter Probleme geben, wenn der Arzt für einen solch langen Zeitraum bestätigen soll, dass der Versicherte berufsunfähig bleiben wird.
  • Nach Möglichkeit sollte im Versicherungsvertrag eine Inflationsanpassung festgelegt werden. Damit steigen die aus der Versicherung gezahlten Rentenbeträge jedes Jahr um einige Prozent und passen sich somit an die in Deutschland vorherrschende Inflation an. Ist diese Anpassung im Vertrag nicht vorgesehen, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, in jedem neuen Jahr mit vergleichsweise weniger Geld auskommen zu müssen
  • Ebenfalls im Vertrag festgelegt werden sollte die so genannte Nachversicherungsgarantie. Sie ermöglicht es, dass die Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung automatisch bei einem Berufswechsel angepasst wird. Das bedeutet konkret: Wenn Sie Ihren Beruf wechseln und  fortan mehr verdienen, steigt die Versicherungsleistung automatisch mit und Sie müssen sich nicht manuell um eine Anpassung kümmern.
  • Rückwirkende Zahlungen sollten nach Möglichkeit im Versicherungsvertrag vorgesehen sein. Dabei erhalten Sie bei einem verspäteten Antrag auf Auszahlung der Versicherungsleistung trotzdem die zuvor angefallenen Behandlungskosten erstattet.

Sofern Sie diese Voraussetzungen beachten, sollten Sie ohne Probleme den am besten passenden Versicherer finden.

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