Baukindergeld

Zusätzliches Eigenkapital für Familien mit Eigenheim

In Deutschland existieren mehrere staatliche Förderungen, die sich insbesondere an Sparer und Familien richten. Während es beispielsweise die Riester- und Rürup-Förderung mittlerweile seit über 20 Jahren gibt, existiert seit dem vergangenen Jahr (2018) eine neue Förderung, die ausschließlich für Familien mit Kindern gedacht ist. Es handelt sich dabei um das sogenannte Baukindergeld, welches als zusätzliches Eigenkapital in die Baufinanzierung eingebunden werden kann. In diesem Beitrag erfahren Sie, worum es sich beim Baukindergeld handelt, wie hoch dieses ist, unter welchen Voraussetzungen Sie die staatliche Förderung erhalten und was Sie sonst noch zum Thema interessieren könnte.

Warum wurde das Baukindergeld ins Leben gerufen?

Dass das Baukindergeld im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde, hat in erster Linie einen Grund: Familien mit Kindern haben es derzeit relativ schwer, mit einem maximal durchschnittlichen Einkommen die eigenen vier Wände zu finanzieren. Der Grund dafür sind keineswegs die Bauzinsen, denn diese befinden sich nach wie vor auf einem geringen Niveau. Vielmehr sind es die in den vergangenen fünf Jahren zum Teil erheblich gestiegenen Immobilienpreise, die dazu führen, dass die Anzahl der Familien, die sich ein Haus oder ein Eigentumswohnung leisten können, rückläufig ist. Durch das Baukindergeld hingegen erhalten Familien mit Kindern zusätzliches Eigenkapital, sodass eine Immobilienfinanzierung realistischer und leichter zu stemmen ist.

Worum handelt es sich beim Baukindergeld?

Einfach ausgedrückt ist das Baukindergeld eine Förderung, die durch den Staat finanziert wird. Es gibt einen bestimmten Fördertopf, aus dem die Mittel für das Baukindergeld entnommen werden. Haben Sie die Voraussetzungen zur Beantragung und für den Erhalt der staatlichen Förderung erfüllt, wird Ihnen das Baukindergeld Jahr für Jahr überwiesen. Dieses Kapital können Sie in erster Linie nutzen, um es als Eigenkapital in eine Immobilienfinanzierung einzubinden oder auch zur Tilgung des Hypothekendarlehens.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Damit Sie das Baukindergeld beantragen können bzw. dieses genehmigt wird, müssen wenige Voraussetzungen erfüllt sein. In erster Linie sind es die folgenden Bedingungen, die an die Auszahlung des Baukindergeldes geknüpft sind:

  • Mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt
  • Privates Wohneigentum vorhanden
  • Einkommensgrenzen werden eingehalten

Die dritte Bedingung, nämlich das Einhalten der Einkommensgrenzen, erfordert eine etwas detailliertere Beleuchtung. Mit der Einkommensgrenze ist das jährliche zu versteuernde Einkommen gemeint, also in der Regel das Bruttogehalt. Dieses darf bei einem Kind im Haushalt nicht mehr als 90.000 Euro betragen, bei zwei Kindern sind es 105.000 Euro und wenn Sie drei Kinder haben, dürfen Sie nicht mehr als jährlich 120.000 Euro verdienen, um das Baukindergeld zu erhalten. Können Sie alle drei genannten Voraussetzungen erfüllen, spricht nichts dagegen, das Baukindergeld zu beantragen und der Bescheid wird aller Voraussicht nach positiv ausfallen.

Wie hoch ist das Baukindergeld?

Wenn es um Förderungen geht, dann interessieren nicht nur die Bedingungen, sondern natürlich möchten Interessenten auch wissen, mit welchem Betrag sie rechnen können. Das Erfreuliche beim Baukindergeld besteht darin, dass die Höhe der Förderung nicht prozentual vom Einkommen oder sonstigen Faktoren abhängig ist, sondern jeder, der das Baukindergeld beantragt hat und bei dem eine Genehmigung erfolgt, erhält den gleichen Betrag. Der Jahresbetrag richtet sich danach, wie viele Kinder im Haushalt leben und staffelt sich wie folgt:

  • 1 Kind: 1.200 €
  • 2 Kinder: 2.400 €
  • 3 Kinder: 3.600 €

Vereinfacht ausgedrückt erhalten Sie also für jedes Kind im Haushalt, welches minderjährig ist, pro Jahr Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro. Lediglich die Tatsache, dass die Auszahlung für maximal drei Kinder erfolgt ist ein einschränkender Faktor. Darüber hinaus wird das Baukindergeld nicht zeitlich unbegrenzt ausgezahlt, sondern Sie erhalten die staatliche Förderung für genau zehn Jahre.

Eigenkapitalquote von bis zu 20 Prozent durch Baukindergeld

Wie wir eingangs bereits erwähnt haben, wird das Baukindergeld in erster Linie genutzt, um zusätzliches Eigenkapital in eine Immobilienfinanzierung fließen zu lassen. Dadurch wird die gesamte Finanzierung nicht nur stabiler, sondern häufig auch günstiger. Je nachdem, wie hoch Ihre Darlehenssumme ist und für wie viele Kinder Sie die staatliche Förderung erhalten, kann es durchaus passieren, dass Sie mit dem Baukindergeld eine Eigenkapitalquote von bis zu 20 Prozent schaffen können. Dass diese Berechnung durchaus realistisch ist, soll das folgende Beispiel verdeutlichen:

  • Kaufpreis der Immobilie: 220.000 €
  • Kaufnebenkosten: 30.000 €
  • Eigenkapital: 50.000 €
  • Darlehensbetrag: 200.000 €
  • 3 Kinder: 3.600 € Baukindergeld im Jahr
  • Baukindergeld insgesamt: 36.000 €
  • Eigenkapitalquote (Berechnungsgrundlage: 250.000 Euro): 14,4 Prozent

An diesem Beispiel sehen Sie, dass das Baukindergeld alleine in Höhe von 36.000 Euro zu einer Eigenkapitalquote von fast 15 Prozent führt. Zusammen mit Ihrem bereits vorhandenen Eigenkapital erhöht sich die Gesamtquote somit auf rund 35 Prozent, sodass die Chancen äußerst gut sind, dass Sie einen günstigen Immobilienkredit in Anspruch nehmen können.

Baukindergeld beantragen – nicht zu lange zögern

Das Baukindergeld als staatliche Förderung hat für Sie ausschließlich Vorteile und es existieren keine Risiken. Daher kann auch nichts passieren, wenn Sie die staatliche Förderung einfach beantragen. Sie sollten allerdings die zuvor angesprochenen Voraussetzungen erfüllen können, denn sonst sind die Aussichten auf einen positiven Bescheid nicht besonders gut.  Eins sollten Sie allerdings beachten: für das Baukindergeld steht zunächst ein Topf zur Verfügung, der sich auf 10 Milliarden Euro beläuft. Ist dieses Geld aufgebraucht, steht noch nicht fest, ob der Bund diesen Topf wieder aufgefüllt, sodass auch anschließend gestellte Anträge noch genehmigt werden können. Da bereits überdurchschnittliche viele Familien die Chance genutzt haben, Baukindergeld zu beantragen und natürlich zu erhalten, sollten Sie sich mit Ihrem persönlichen Antrag nicht allzu lange Zeit lassen.

Weitere staatliche Förderungen für Eigenheimbesitzer

Neben dem Baukindergeld gibt es noch weitere staatliche Förderungen, welche direkt oder indirekt für Eigenheimbesitzer von Vorteil sein können. Dazu zählen insbesondere.

  • KfW-Darlehen
  • Wohnungsbauprämie
  • Riester-Rente
  • Arbeitnehmersparzulage

Die KfW-Förderprogramme richten sich vor allem an Eigenheimbesitzer oder Bauherrn, die eine Immobilie besitzen, die bestimmte Energiesparkriterien erfüllen kann. Aber auch sonstiges Wohneigentum kann unter Umständen durch ein zinsgünstiges Darlehen gefördert werden. Die Riester-Rente ist insbesondere in Form des sogenannten Wohnriester eine weitere Förderung, die für Eigenheimbesitzer äußerst interessant ist. Die Zulagen können hier nämlich in die Tilgung eines Immobilienkredites fließen, sodass weniger eigene Mittel benötigt werden.

Zwei weitere staatliche Förderungen, die indirekt mit Immobilien zu tun haben, aber beispielsweise im Zuge eines Bausparvertrages genutzt werden können, sind zum einen die Wohnungsbauprämie und zum anderen die Arbeitnehmersparzulage. Hier gibt es allerdings Einkommensgrenzen zu beachten und zudem ist die Förderung bei Weitem nicht so hoch, wie beim Baukindergeld oder auch bei den jährlichen Riester-Zulagen.

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